Freitag, 12. Februar 2010

Jobcenter Episode 4

Episode 4: Antragsabgabe und "ich will doch einfach nur arbeiten"

sooo der Spaß geht weiter und dieses mal wird es lang , denn schließlich muss ich 3 Stunden feinstes Behördenbenehmen schildern, ich fass es nicht, das kann nicht sein und irgendwas läuft falsch im System, denn mein Fazit, quasi als Abstract vorab: ich will arbeiten, das sogar ohne Bezahlung, um die für eine Anstellung fehlende Erfahrung zu bekommen, und darf es nicht, da es mich nicht, in Arbeit bringt..äh, ja, von vorne:
a)pünktlich um 9:30 sitz ich im 2. Stock - ich arbeite mich langsam vor, beim ersten Mal nur Anmeldung im Erdgeschoss, beim zweiten mal zu Mensch 3 und 4 im ersten Stock und nun darf ich also noch eine Treppe höher, zu Mensch 5, Wahnsinn, und endlich meinen Hartzi Antrag samt allerhand Anlagen und Nachweisen abgeben. Klappt sogar alles relativ problemlos, doch als ich am Ende noch ne Frage habe, macht sich Panik im Gesicht der Dame breit „also, ich bin hier nur für die Antragsannahme zuständig, von dem anderen weiß ich nichts, da müssten Sie mal runter an die Information“ aha, „ich geb ihnen aber schon mal ihre Kundenummer mit“ (Da haben wirs wieder, Kundennummer, wie beim Otto Versand oder dem Onlineshop und das bei einer Behörde….bitte, kann mir das wirklich einer erklären mit dem Kunden, der mit seinem Dienstleister in einem öffentlich-rechtlichen Verhältnis steht?)
b)…an der Information sitzt mir bereits bekannter Mensch 3 gegenüber, der mit den Fachbegriffen, die ich nich verstehen muss und der, der redet wie en Wasserfall. Aha, sie haben also ein Rotationsprinzip, wie beim Fußball, yeah das is hip und modern „Hallo, Ihre Kollegin schickt mich“ „ja, ich druck Ihnen jetzt erstmal eine Kundenkarte aus, leider haben wir nie diese Plastikhüllen wo das eigentlich rein kommt“ „ah ja“ doch es tut und tut sich nix „wir haben ein neues System, ich find es nicht, ich ruf den Kollegen an, oh hupsi, ich bin in der falschen Maske“ Super, denn hab ich ja nu schon mal so n fetzen Papier mit dem Namen meines, juhu, Ansprechpartners (wir kommen der Sache näher). „ja, dann hätt ich hier noch ne Frage, zu nem unbezahlten Praktikum“ „ja nee, da kann ich Ihnen nicht helfen, ich ruf mal ihren zukünftigen Ansprechpartner an, der is da immer ganz kulant und bearbeitet das auch schon, obwohl sie noch gar kein Kunde sind, Sie sind ja in einer Grauzone und haben noch keinen Bewilligungsbescheid“ (is ja nett, nich zu fassen). Leider ist dieser Herr nicht zu erreichen und ich warte…und warte…und warte, denn der Herr ist leider in einer Besprechung, die auch noch n Moment dauert, so dass ich doch einfach schonmal irgendwas in der Stadt erledigen könne. Langsam dämmert mir aber, was mein Problem ist, ich werde am Telefon mit den Adjektiven "engagiert" und "motiviert" beschrieben, ich glaub, das verursacht irgendwie Panik.
c) so leicht lass ich mich aber nicht abwimmeln und stehe eine halbe Stunde später wieder beim rotierten Mensch 3 auf der Matte: „tschuldigung, haben sie den Herren erreicht?“ „ja, und er ist bereit, sie gleich noch zu empfangen“ (oh..sag bloß…welch Ehre wird mir zuteil, als in der Grauzone befindliche noch nicht Kundin…dolles Ding) „ja, aber er hat noch nen Termin, können sie einfach noch mal wiederkommen…“ ach, schon wieder das Ding mit dem Wiederkommen, männo!
d)so, gestärkt durch Schokocroissant und in Besitz einer Zeitung, um die Langeweile zu vertreiben darf ich gleich hoch in den 2. stock, ohne Anmeldung vorher *klopfklopf* JUHUUU angekommen bei Herrn Ansprechpartner, Ole Ole! Doch was der mir erzählt, verschlägt mir die Sprache:
„ja, ich wollte fragen wegen einem unbezahlten Praktikum, ich könnte das machen und nun wollt ich fragen, was ich beachten muss und ob das geht“ „nein, also eigentlich geht es grundsätzlich nicht“ „wie jetzt“ „nein, weil es da bei ihnen ja nicht drum geht, sich in den Arbeitsmarkt einzugleidern“ “äh doch“ „nein, daran schließt sich ja kein Arbeitsvertrag an“ „nein, aber ich bekomme Erfahrungen, ein weiteres Zeugnis und Nachweise, was ich schon alles tolles gemacht hab, noch dazu ist es hier 2 Straßen weiter“ „ nee, es führt sie aber in keine Beschäftigung“ „doch, da in jeder Stellenanzeige Erfahrungen gefordert sind und man abgelehnt wird auf Grund mangelnder Berufserfahrung, bringt es mich sehr wohl viel weiter voran, dadurch dass ich, sollte ich in der Zwischenzeit nix festes finden, danach 6 Monate mehr habe plus ein weiteres Projekt, das ich betreut hab“ „nein, das geht aber nicht, denn Praktika sind nicht förderungswürdig und dann bekommen sie keine Leistungen mehr“ „das verstehe ich nicht! sie wollen mir sagen, ich darf zu hause rumsitzen, aber nicht in dem bereich arbeiten ,den ich studiert habe und für den ich mich gerade pausenlos bewerbe, um Erfahrungen zu sammeln, die mir vorteile bei der Arbeitssuche bringen?“ „ja, genau, denn als Praktikant sind sie in einem Arbeitsverhältnis und stehen dem Arbeitsmarkt nicht in dem Umfang zur Verfügung, wie wenn sie das nicht machen würden! dann könnten wir sie beispielsweise putzen schicken, oder Regale einräumen“ „ja aber, das Praktikum ist doch in dem Bereich in dem ich arbeiten will, quasi berufsvorbereitend und dabei lerne ich doch noch was…!“ „ja, aber das ist eben das Gesetz, das ist da nicht vorgesehen“ „aha, aber dass ich eine Lücke im Lebenslauf habe, die ich sehr gerne von mir aus füllen würde, das ist vorgesehen?“ „so gesehen ja, das geht halt mit dem Praktikum grundsätzlich nicht, wenn man schon für sie arbeitet, dann sollen sie denen ja wenigstens auch was bezahlen und die jungen Akademiker nicht so ausnutzen…!“ ja äh, wem sagt er das??? ich würde auch lieber für Geld arbeiten… aber ehe ich nichts tue, mache ich es eben, quasi in meiner Freizeit eben auch für lau. „außerdem hab ich jetzt fertig studiert und will endlich was arbeiten!!!!!“ (oh ja, das habe ich genau so gesagt!) „ja, aber so sind die Gesetze, das ist da halt nicht vorgesehen, und das Gesetzt gibt da halt keine Grundlage“ „nochmal zur Klärung: ich darf zu hause sitzen und nix tun, aber nicht mich weiterbilden und Erfahrungen sammeln? „ja!“
aha, da ist doch irgendwas nicht richtig …. oder?

2 Kommentare:

  1. Das mit den "Kunden" liegt an der KGSt. Die KGSt war mal die "Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung". Man hat dann aber wohl gemerkt, dass "Verwaltung" und "Vereinfachung" begrifflich zusammen etwas problematisch sind und die KGSt umbenannt in "Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement". Klingt doch auch gleich schon viel zeitgemäßer...

    AntwortenLöschen
  2. yeah, danke, ich verstehe, zeitgemäße Bezeichnungen für angestaubte Behörden :-)

    AntwortenLöschen